

| Eine kurze Zusammenfassung |
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Anbieter ehrenamtlicher Jugendarbeit – wie CVJM, KJG, Schwarzwaldverein, Naturfreunde, Feuerwehr (um nur einige zu nennen) und eben auch Wandervögel und Pfadfinder – gibt es zuhauf. Was aber kennzeichnet dabei die Pfadfinder und ganz besonders unseren Stamm? In Karlsruhe gibt es sechs Pfadfinderstämme, in Karlsbad und Waldbronn zwei weitere. Allen liegt dieselbe Pfadfinderidee zugrunde, die sich in jetzt schon fast 100 Jahren über die ganze Welt verbreitet und auf unterschiedliche Weise entwickelt hat. Die Pfadfinderkultur setzt sich somit aus vielen Fassetten zusammen, die Gemeinsamkeiten haben, aber auch ganz eigene Werte und Traditionen entwickelten. Im Folgenden möchte ich euch uns Kondoren als Teil einer grossen Pfadfinderbewegung, als ein Stamm, der sich ganz bewusst von konventionellen Jugendorganisationen distanzieren will, etwas näher vorstellen: Der Stamm Kondor wurde im Oktober 1973 gegründet. Er ist interkonfessionell und an keinerlei Parteien oder Interessengruppen gebunden. Wir zählen zurzeit etwa 60 Mitglieder, hauptsächlich aus den Bergdörfern von Karlsruhe wie Palmbach, Grünwettersbach, Stupferich, Hohenwettersbach, Bergwald, aber auch aus Wolfartsweier und Durlach. Unser Stamm ist für sich gesehen selbständig, wir gehören jedoch der Pfadfinderschaft Süddeutschland (PSD) an, einem Pfadfinderbund mit neun Stämmen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit über 600 Mitgliedern. Die PSD, welche wiederum dem Deutschen Pfadfinderverband (DPV) angeschlossen ist, trifft sich mindestens einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Zeltlager, an dem bis zu 600 Pfadfinder teilnehmen. Neben diesem Lager veranstaltet unser Stamm in den Schulferien weitere Lager und Fahrten. Zweimal im Jahr feiern wir die Sonnwende, um das alte Halbjahr zu verabschieden, und um neuen Zielen entgegenblicken zu können. Zu diesen Anlässen erscheint auch unsere Stammeszeitung – der Siebenmeilenstiefel. Auf diese Zeitung können wir mit Recht stolz sein: Der Stiefel erscheint seit 30 Jahren regelmäßig und ist damit eine der traditionsreichsten Pfadfinderzeitungen weit und breit.  Stammesaufbau und StrukturenJe nach Alter unterscheiden wir die Wölflingsstufe (Kinder zwischen 6 und 10 Jahren), die Pfadfinderstufe (10 –15 Jahre) und die Roverstufe. Die Gruppen der Wölflinge heißen Meuten. Alle Meuten bilden gemeinsam mit den Meutenführern und –Helfern den Wölflingstrupp. Momentan gibt es bei uns eine Meute mit dem Namen Sioniwölfe. Die Gruppen der Pfadfinder heißen Sippen, sie bilden zusammen den Pfaditrupp. Die Sippen wie auch die Meuten treffen sich einmal in der Woche zum zweistündigen Heimabend. Hierfür stehen unser Stammesheim (PaF) in Palmbach, die Tiefentalhütte (TTH) in Wolfartsweier und unser Zeltplatz am Grünwettersbacher Funkturm zur Verfügung. Zu der Meute kann prinzipiell jedes Kind im entsprechenden Alter dazustoßen, sie stellt sozusagen die Vorstufe zu der eigentlichen Pfadfindergemeinschaft dar – der Sippe. Diese ist, im Gegensatz zu anderen Trägern von Freizeitgestaltung mit offener Jugendarbeit, eine feste Gruppe! Die Mitgliedschaft in einer Pfadfindersippe fordert von den Kindern eine über das Übliche hinausgehende Bereitschaft, sich in eine solche Gemeinschaft einzubringen. Dies fordert natürlich auch Flexibilität und Unterstützung der Eltern, zum Beispiel dann, wenn es darum geht, dem Kind die Teilnahme an Fahrt und Lager zu ermöglichen. Der Eintritt in die Pfadfinderstufe ist nur möglich, wenn gerade eine neue Sippe gegründet wurde oder wenn eine Sippe gezielt Nachwuchs sucht. Die Sippenzeit dauert 3 – 5 Jahre, dann gehen die einzelnen Pfadfinder oder auch die ganze Sippe in die Roverstufe über und dürfen selbst ein Stammesamt übernehmen – zum Beispiel eine eigene Sippe gründen. Für das Erlangen von Halstüchern und Abzeichen sind in der Pfadfinderstufe wie auch in der Wölflingsstufe verschiedene Proben zu absolvieren. Hierzu, wie auch zu den sonstigen Aktivitäten der Pfadis und Wös lest ihr mehr in den nachfolgenden Beiträgen. Neben der Führerschaft, den Pfadfindern und Wölflingen wäre dann noch der „Förderkreis Stamm Kondor“ zu erwähnen. Er ist ein Zusammenschluss von Eltern, Altpfadfindern und Freunden, der die Pfadfinder finanziell und ideell unterstützt. Er organisiert Feste, verwaltet Fahrzeuge und Räume und er hilft bei Behörden. Aktive und passive Mitglieder sind herzlich willkommen.  PfadfinderethikZur Pfadfinderethik zählen wir alle sonstigen „scoutistischen“ und traditionellen Elemente, die den ideologischen Rahmen für unser Pfadfinderleben bilden. Jede Pfadfindergemeinschaft hat dabei ihre eigenen stilprägenden Traditionen. Viele Stämme, so auch wir, pflegen eine mehr oder weniger leidenschaftliche Singekultur. Rituale, wie zum Beispiel das Singen vor und nach dem Essen, abendliche Liederrunden am Feuer, das Tragen unserer Kluft, der Pfadfindergruß, unser Wahlspruch („Allzeit Bereit“), die Sonnwendfeier und vieles mehr, verbinden uns einfach ganz selbstverständlich mit der Pfadfinderei und untereinander. Das Eingängigste und Wichtigste der Pfadfindertheorie (nach Baden-Powell) sind die zehn Pfadfindergesetze. Diese beschreiben den Charakter und das Alltagsverhalten eines Pfadfinders. Ich möchte an dieser Stelle zum Verständnis auf zwei Gesetze eingehen:  "Der Pfadfinder ist einfach und sparsam" Aus diesem Gesetz leitet sich unser spezielles Konsumverhalten ab, wenn wir zusammen sind. Das Essen auf Lager und Fahrt ist einfach, die Unterkunft ebenso. Moderne Freizeit- und Unterhaltungsangebote versuchen wir gänzlich zu meiden. Handys, MP3-Player etc. sind unerwünscht. „Natur erleben“ geht für uns mit „natürlich leben“ einher. Die heutige Konsumgesellschaft verkauft sich für jede x-beliebige Modeerscheinung – wir wollen uns zumindest bei unseren Pfadfindertreffen auf für uns wesentliche Dinge konzentrieren.  "Der Pfadfinder ist treu und zuverlässig" Dieses Gesetz lässt sich nicht erzwingen, aber dennoch in der Gemeinschaft erlernen. Wir legen Wert darauf, uns aufeinander verlassen zu können, und zwar auf die Erfüllung der zugeteilten und der aus der Gemeinschaft entstehenden Aufgaben. Treue bedeutet, für eine Bindung einzutreten und diese aufrichtig zu pflegen. Aus Treue und Zuverlässigkeit entsteht im Endeffekt Vertrauen. Vertrauen wiederum ermöglicht es, Verantwortung zu übernehmen, aber auch weiterzugeben; und die Fähigkeit und Bereitschaft, echte Verantwortung zu tragen ist unerlässlich, wenn zum Beispiel 14jährige am Ende ihrer Sippenzeit selbst eine Gruppe führen möchten. Die Pfadfinder lernen diese Gesetze im Rahmen der „3. Grad-Probe“. Unabhängig von den Proben kann jeder Pfadfinder mit einer bestimmten Reife an der Sonnwende das Versprechen ablegen. Mit diesem Versprechen entscheidet sich ein Pfadfinder, zukünftig „getreu den Pfadfindergesetzen zu leben“.  Die Folgen unseres TreibensWir verstehen uns nicht primär als Erzieher eurer Kinder (neben der Tatsache, dass wir gar keine Pädagogen sein wollen, fehlt uns dazu natürlich die entsprechende Ausbildung), und darum sträube ich mich auch dagegen, mit allgemeinen pädagogischen Zielen zu werben. Da wir aber eine Jugendorganisation sind, die sich so intensiv mit Kindern und Jugendlichen auseinandersetzt wie nur wenige andere, haben wir natürlich auch Einfluss auf die Sipplinge und Wölflinge – unser Tun erzeugt also Wirkungen, und diese Wirkungen sind positiv und lassen sich nach langjähriger Erfahrung folgendermaßen benennen: Wir fördern die Selbstständigkeit der Kinder im Pfadfinderalltag (Heimabend, Fahrt und Lager) und darüber hinaus. Wir unterstützen die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu verantwortungsvollen, selbstkritischen und frei denkenden Mitgliedern dieser Gesellschaft. Nebenbei lehrt das langfristige, intensive Leben in der Meute und erst Recht in der Sippe Möglichkeiten der Gruppendynamik sowie Strategien der Gruppenorganisation wie auch der Konfliktbewältigung (wie sie sich Manager in teuren und langwierigen Seminaren nur annähernd aneignen können). Man könnte an dieser Stelle sogar sagen – und damit komme ich zum (etwas pathetischen) Schluss meines Artikels – unsere Traditionen, Regeln und Gesetze seien Mittel zum Zweck, Spaß daran zu finden, uns Jugendliche selbst zu erziehen! |