

| Feuerspruch zur 34. Sommersonnwende |
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Der Feuerspruch zur 34. Sommersonnwende: "Niemand kann führen, der sich nicht selber zu führen vermag."
Führung, Führer, führen. Es sind Wörter mit Geschichte. Goethe gebrauchte sie gerne, die frühe deutsche Jugendbewegung war fasziniert davon und erkannte ihr Leitmotiv: „Jugend führt Jugend“. Im dritten Reich wurden die Begriffe schließlich missbraucht. Vielleicht klingen Bezeichnungen wie Führer, Sippenführer und Meutenführer daher irgendwie verstaubt, befremdlich, unangemessen?
Führen steht im Stamm Kondor zunächst einmal für die Praxis, jüngeren Pfadfindern Regeln aufzuerlegen, sich durchzusetzen, Acht zu geben, aber auch demokratische Ordnung zu pflegen. Die Gruppenführer kennen dies unter dem Stichwort „Führungsstile“. Oft wird angenommen, mit entsprechendem Alter, körperlicher Stärke, Sprachgewalt und Hartnäckigkeit - der missverstandenen Autorität – lasse sich eine Gruppe recht gut führen. Ein Führer übt zwar meist behutsam, bedacht und in Maßen Macht aus. Das ist gut so. Schließlich hat er die Aufsichtspflicht. Dies sichert ihm jedoch noch lange keine Autorität! In der Antike taucht Auctoritas als eine Instanz auf, die nach bestem Wissen und Gewissen, wohlwollend Rat erteilt. Der Ratsuchende wird dabei nicht beherrscht. Vielmehr begibt er sich freiwillig in ein momentanes Unterordnungsverhältnis, weil er Vertrauen in den Ratgebenden und seine Kompetenz hat . Der Ratgebende ist nicht nur vertrauenswürdig, er ist auch glaubwürdig, er ist „rein in Gedanken, Worten und Taten“, er legt seinem Schützling nicht Regeln auf, die er selbst gar nicht einhalten will – natürlich merkt ein Mensch früher oder später, ob jemand tatsächlich zu und hinter seinen Weisheiten steht. Das Handeln eines Menschen schafft so Vertrauen oder Misstrauen. Im Vertrauensfall hört der Ratsuchende aufmerksam zu – er ist also nichts anderes als „gehörsam“ - oder eben: gehorsam. Du kannst Gehorsam erzwingen, manchmal musst du das. Das macht das „Führen“ aber noch nicht aus! Echte Führungsautorität wächst durch Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um der Glaubwürdigkeit willen müssen Pfadfindergesetz, erhaltenswürdige Tradition, Fertigkeiten, innere Haltung und äußeres Erscheinungsbild eines Pfadfinders eine Einheit bilden. Pfadfindergesetze dürfen nicht einfach als „Probenkram“ nebenan stehen – Sie müssen kritisch bedacht, in Erinnerung gerufen und – Ja: Frohen Mutes gelebt werden! Vergleichbares gilt für Wissen, Kennen & Können von Pfadfindertechniken. Ein erhebliches Maß an Selbstkontrolle, gewissermaßen eine „Selbstführung“ (die berühmte Disziplin), ist erforderlich, um das zu leisten. Disziplin bedarf es aber auch, um zugeben zu können, dass man selbst fehlbar, dabei aber bereit und in der Lage ist, ernsthaft an sich zu arbeiten und das auch tut. Das muss man hin und wieder auch mal aussprechen. Was macht einen guten Pfadfinder (egal welchen Alters und Geschlechts) also aus? Er soll sich an den Pfadfindergesetzen orientieren, sich dazu bekennen und bewusst danach leben. Er soll Fertigkeiten trainieren, lernen. Er soll selbstkritisch sein und bedacht auch andere kritisieren. Auf diesem Wege entsteht Vertrauen, so erlangt ein Pfadfinder echte Autorität – nur so wird er um Antwort gebeten, kann er einem Ratsuchenden Antwort geben und sich dabei wahrhaft ver-antwort-en. Daher gilt: Niemand kann führen, der sich nicht selber zu führen vermag. Ei, im Juni 2008
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