

| Extrahart. Die Winterführerfahrt in die Vogesen |
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"Was mach ma denn an Silvester?" - "Hm, tja vielleicht Zelten gehen?" Au ja, ’ne Schneekohtenfahrt in die Vogesen! {mosimage}
Gesagt getan, am Morgen des 31.12.93 bewegten sich zwei Autos aus Karlsruhe Richtung Petit Hohneck. Dortselbst angekommen war es wenig einladend: Der Himmel wolkenverhangen, es regnet leicht, auf dem Boden ein halber Meter patschnasser Schnee.
Doch die zu allem entschlossene Crew läßt sich nicht einschüchtern und rüstet sich für den bevorstehenden Aufstieg zu einer Hütte. Dabei kommen verschiedene Philosophien zum Zuge: von rustikal mit Jeans und Wanderschuhen über selbstgefertigte Ledergamaschen und Bundhose bis hin zum HiTech-Taucheranzug aus Gore Tex war alles vertreten. Dann ging’s los; bei Regen eine Skipiste hoch und im Bachbett eines Bächleins durch den Wald. Karo meldete als erster Wassereinbruch im linken Wanderstiefel.
Nachdem wir uns eine Stunde bemüht hatten, vorwärts zu kommen, erfreute uns die örtliche Gendarmerie auf einem Motorschlitten mit der Eröffnung, daß es verboten sei, im Wald zu übernachten. Im Klartext hieß das: "Wollt ihr keinen Ärger haben, dann verschwindet besser wieder!" Also wieder zurück zum Auto und schauen, wo eine Hütte nahe der Straße liegt. Bei beginnender Dämmerung kein leichtes Unterfangen, zumal die langsame Durchfeuchtung ihre Spuren auf der Gemütslage hinterließ.
Nach mehreren erfolglosen Versuchen wurde beschlossen, den Schnee aus dem Titel der Unternehmung zu streichen und unser Glück im Tal zu verwirklichen. Schließlich landeten wir bei einem elsässischen Bauern, der uns auf unsere Frage, ob wir auf seiner Wiese zelten dürften, nur mit einem: "Zelten an Silvester, die spinnen die Deutschen!" gewähren ließ.
Nun standen wir vor dem nächsten Problem, wie wir die 8 Stunden bis zum Jahreswechsel in einem nassen Zelt mit nassen Klamotten und feuchten Wanderschuhen überstehen sollten. Während Targia ab und zu dem Schlaf anheimfiel, Inga, Flotze und Tille GEISTig spielten, erhöhte Karo derweil mit zwei Kerzen die Temperatur in seinen Wanderschuhen derart, daß das Wasser verdampfte. Endlich um 12 Uhr sollen ganze drei Feuerwerksraketen gesichtet worden sein und fünf nach 12 zog man das Innere des Schlafsacks dem kühlen Sekt vor.
Am Morgen mußten Targia und Inga wieder nach Hause, die anderen drei verbrachten den Tag damit, einen geeigneten gendarmfreien Schlafplatz zu finden und Henning, der am nächsten Tag mit Gitte nachkommen wollte, telefonisch nach Colmar umzuleiten. In einer Nacht- und Nebel-Aktion stiegen wir querwaldein auf eine Bergkuppe, um dort von Försterblicken unbehelligt zu zelten, was uns auch gelang. Karo versteckte sich nach einem Pinkelspaziergang im Wald, weil er glaubte, das Geräusch eines sich nähernden Autos gehört zu haben. Tatsächlich hatte Tille im Zelt seinen DDR-Kocher angeworfen, der in der Tat etwas lauter ist. (Das Auto kam erst am Morgen und veranlaßte uns, in Rekordzeit die eingeschneite Kohte abzubauen und zu verschwinden.)
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In Colmar traf die Verstärkung mit dem Transit ein, und so fuhren wir in strömendem Regen zur Ausgangsstelle der anschließenden Wanderung. Unter Tilles sachkundiger Führung ging’s mal wieder quer durch den Wald, durch Matsch und Schnee, immer schön bergauf. Die auf der Karte so abgelegene Gegend stellte sich als Wintersportort und damit als gut bevölkert heraus. Die eingezeichnete Schutzhütte, die wir unter Aufbietung unserer letzten Kräfte erreichten, war ein gut verschlossenes und eingeschneites Haus. So sahen wir uns gezwungen, den hohen Schnee plattzutrampeln, um einen Kohte darauf zu stellen. Dank der unverbrauchten Motivation von Gitte und Henning gelang das auch zur allgemeinen Zufriedenheit.
Das anschließende Kohtenleben war recht amüsant, da erstens heiße Kocher und Eßgeschirre im Schnee zu verschwinden pflegten und zweitens alles Nässe- und Kälteempfindliche auf einer begrenzten Anzahl von Isomatten gelagert werden mußte.
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Der folgende Morgen war etwas enttäuschend, da es in der Nacht nur geregnet hatte und die nasse Zeltplane nicht mal gefroren war. Lasch. Vom nassen Schnee hatten wir jetzt aber auch genug (obwohl sich Henning extra noch neue Gore Tex-Gamaschen besorgt hatte) und wir stiegen ins Tal ab. Auf dem Weg dorthin erinnerte man sich an ein Pfadigesetz, das da heißt: "Der Pfadfinder ist hilfsbereit"; natürlich haben wir sofort (erfolglos) versucht, einen festgefahrenen Kleinbus anzuschieben. Noch etwas weiter sind wir hinter das Geheimnis des POWERBAR mit Apfel-Zimt-Geschmack gekommen: Um diese zähe Masse zu zerkauen, ist mindestens so viel Energie nötig, wie in dem Riegel steckt!
Da es während dem Mittagessen wieder mal anfing zu Regnen, strebte der Wille weiterzuwandern gegen Null. Doch das sollte sich ändern, als plötzlich ein Rudel Gemsen unseren Weg kreuzte und bald darauf eine gute Hütte zum Übernachten einlud. Das ruckzuck entfachte Feuer hatte auch ruckzuck die Hütte verqualmt, bevor wir es mangels Effektivität aus dem Fenster warfen. Die restliche Strecke zum Transit war am nächsten Morgen nur noch ein Spaziergang und irgendwann waren alle wieder zu Hause.
Tille |