

| 19. Hamburger Singewettstreit 1996 |
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Stamm Kondor beim 19. Hamburger Singewettstreit 1996. Es fing damit an, daß die Wetterschauer Anlaß zur Sorge gab. Denn es sollte Regen geben - bei Minusgraden!!! Deshalb beschloß Tille, mit dem Unternehmen Zukunft zu reisen. Eine enorm heroische Entscheidung, denn logistischer als auch organisatorischer Aufwand waren unermeßlich. Die Telekom freute sich währenddessen über eine hohe Anzahl von Gebühreneinheiten, die durch unzählige Telefongespräche verpulvert wurden, die am Ende dazu führten, daß nur noch 3 der einstmals großen Schar sich anschickten, den HSW zu besuchen.
In Erwartung des von Theron improvisierten Rahmenprogramms sowie einer unbekannten Anzahl von Mosel-Franken, um die sich die wildesten Gerüchte rankten, begannen wir unsere Zugfahrt. Dort kamen wir in den Genuß eines rhetorisch äußerst gewandten, in Durlach arbeitenden Menschen aus Heide, der uns nett mit Geschichten über seine pyromanische Vergangenheit unterhielt und uns half die Zeit, auf dem Zwischendeck zu verkürzen. So erfuhren wir viel über das Leben und Wirken dieses Wodkatrinkenden Individuums. Kurz vor Ffm kam dann der Schaffner, um Nachforderungen beim Reisetarif, die wir ihm auch nach endloser Diskussion nicht abschwatzen konnten, zu verlangen, zu lasten Marx Geldbeutel.
Doch fröhlich und guter Dinge drückten wir den grünen Türknopf im HH HBF, um kurze Zeit später den eisigen Atem des Nordens zu spüren. Mit klappernden Zähnen, begleitet vom Knall einer berstenden Chianti-Classico, erkundigten wir uns telefonisch bei Theron nach dem weiteren Vorgehen. Nach seinen Anweisungen eilten wir zur U1, nicht ohne unterwegs noch einer Horde unschuldiger, ahnungsloser, frierender Pfadfinderinnen fröhlich zuzunicken.
In Ahrensburg-Ost angekommen, war es nur noch ein knapper Fußmarsch zu Onkel Therons Hütte. Dort erwartete uns ein staubsaugender Hausdrachen, der sich bei näherem hinsehen als The Ron bei bisher unbekannten Tätigkeiten entpuppte. Gegen 23.00 Uhr packte Theron seinen im Altersheim organisierten Fernseher aus, um uns mit dem Hamburger Nachtprogramm zu verwöhnen. Es gefiel uns dermaßen, daß wir nach drei Minuten den Ausschalter betätigten, um der Kommunikation den Vorzug zu geben. Abrupt wurden wir durch Motorengeräusche in hektische Aktivität versetzt. Ein Bierkasten voller Waldläuferzeichen zeigte den ankommenden Treverern den Weg zu Therons Haus. Die Begrüßungsfeierlichkeiten zogen sich bis 5.00 Uhr morgens hin. Dann endlich waren alle Details für den folgenden Tag einschließlich der Neuigkeiten aus den jeweiligen Wirkungskreisen behandelt. Alsdann gings ans Aufräumen, denn für 12 Leute war noch kein Schlafplatz vorhanden.
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Gegen Mittag weckte uns ein schrill umherkreischendes, uns an den Schlafsäcken ziehendes Mädel. Dann fuhren wir erst mal Frühstück einkaufen. Wieder zurück, gab es ein reichhaltiges Angebot von Aldi Nord, das alle Geschmäcker zufriedenstellte. Es folgte eine Stadtrundfahrt im tiefgefrorenen Hamburg, bei der auch sämtliche Insidertips hinsichtlich der Containerverschiffung im Hafen erläutert wurden. Auf der Suche nach dem rechten Weg zur zugefrorenen Außenalster gelang Theron das Einbiegen in eine vierspurige Einbahnstraße, auf der uns die starke Präsenz an entgegenkommenden Fahrzeugen zu einem Ausweichmanöver auf den Fußweg zwang. Diesen Augenblick der Verwirrung nutzten Männle und Tille, um an die Tickets für den HSW im CCH zu kommen. Derweil nutzten die Autofahrer die Zeit, um in einem Parkhaus Platz zu finden.
Nach zwei Stunden Herumirrens in der City und 20 km Fußmarsch für Tille und Männle trafen wir uns endlich am Eingang des CCH. Dort begegneten wir dem ganzen Spektrum der bündischen Jugend. Er reichte von einer Nerother "Kampfvogelgruppe" über Individuen mit Che-Guevara-Aufnähern auf ihren Jujen bis zu einer Gruppe buntgefärbter Punk-Scouts. Besonders sollte man auch noch eine Gruppe von Mädels der CP 21 erwähnen, die sich anschickten, bei Minusgraden in Lederhotpants zu erscheinen.
Eine Delegation, bestehend aus Theron, Tille und Nadine wurde inzwischen auf Nahrungssuche geschickt. Den anderen gelang es nach ca. einer Stunde Warten, in die Halle zu kommen, wo wir uns sofort eine angemessene Anzahl von Sitzplätzen reservierten.
Zu Beginn sangen die Sippen, Horten und Gruppen in unterschiedlichsten Qualitäten, teil¬weise A Capella, teilweise nur Instrumental. Es folgten die Stammeschöre, die alle ganz nette Nummern brachten, die uns jedoch nicht von den Hockern rissen. In der offenen Kategorie wurde es dann lustiger: Es fing an mit einer Gruppe, die zuerst ein Stück aus dem Blues-Brothers-Film interpretierten (mit obligater Sonnenbrille und E-Baß), dann kam eine Verunglimpfung von "El Condor pasa", wobei die Stimmen durch den Einsatz von Helium in ungeahnte Höhen entschwanden, sehr zum Vergnügen des Publikums. Dann folgte eine Gruppe der Hamburger Metzgerinnung ("Wizo: Die letzte Sau") mit einer verkleideten Sau, die sich auf der Bühne räkelte. Dann entschwand die Jury, und der Saal wurde aufgefordert, einen Shanty-Kanon zu singen. Nachdem wir dies hinter uns gebracht und auch ein Hilfsprojekt auf dem Balkan unterstützt hatten, erklärte die Jury die Reihenfolge der Sieger. Zum Schluß spielte noch eine irische Gruppe, um auf das Motto des nächsten Siwes hinzuweisen und die uns zum Schluß noch beim "Nehmt Abschied, Brüder" begleitete.
Kurz vor 23.00 Uhr hatten wir's dann geschafft und wir fuhren zur Außenalster. Auf dem Weg dorthin fuhren wir erstens dauernd im Kreise und zweitens überfuhr Theron mehrere rote Ampeln. Dort endlich angekommen, stürmten wir die Glühweinbuden auf dem See. Nachdem wir dort eine Weile Schleifen angelegt hatten und jeder mindestens einmal auf die Lapp geflogen war, machten wir uns auf in Richtung Reeperbahn.
Nach einem kurzem Abstecher zu Pizza-Hut fuhren wir heimwärts und verloren dabei das andere Auto. Dieses fand den Weg aber genauso schnell. Therons große Sprüche von der sich nun anschließenden Party in der Ahrensburger Umgebung erwiesen sich als haltlos, da er selbst nach kurzer Zeit in Tiefschlaf versank. Nichtsdestotrotz wurde das Antaresliederbuch bis Morgens 5 Uhr bemüht, ehe auch der verbliebene Rest darniedersank.
Sonntag wie schon Tags zuvor ausschlafen, Frühstücken, die Dieblicher machten sich in Rekordzeit aus dem Staub, was einerseits bedauerlich war, andererseits den nun erforderlichen Hausputz ermöglichte. Jetzt war es Zeit zum Mittagessen, das in Form zu frittierender Teilchen gereicht wurde, ausgezeichnet schmeckte, und auch den Abschluß des Kondorenaufenthaltes darstellte. Mit der öffentlichen Bahn gelang uns die Heimfahrt nach KA, wenn auch unter erheblichem Diskussionsaufwand mit Schaffnern, die zusätzliches Geld sehen wollten und das auch schafften.
Jetzt ischs rum, war net amol soo dumm!Tille, Maennle, Marc |