

| Impressionen vom Pfila-Geländespiel 2001 |
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Irgendwann kann man bei einem Geländespiel nichts Neues mehr erleben, weil man schon zu viele mitgemacht hat? Man bekommt keine überwältigenden Erfolgserlebnisse mehr (so wie „und damals, als ich als kleiner Jungpfadfinder dem großen, starken, tollen, eigentlich nicht zu besiegendem Rover sein Lebensbändchen abgenommen habe!"), weil man selbst inzwischen nicht mehr so nebenbei abgefertigt werden kann? Man meint zu wissen, was möglich und was nicht möglich ist? Nun ja, man lernt nie aus...
22.45 Uhr: Vorsichtig schlüpfen Namo und ich durch das Unterholz, leise und immer dem Gesang nach; so können sie uns auf jeden Fall nicht so leicht hören, schön blöd! Sie? Die Blauen Baumeister in ihrem von einem alten Geländespiel übernommenen Kral, den sie als Lager benutzen; praktisch nicht zu erstürmen, man kommt allerdings auch nur durch die zum steilen Abhang gelegene Tür hinaus. Jetzt aber zur Sicherheit doch auf alle viere und vorsichtig den Steilhang hinauf. An den anderen Seiten geht es relativ eben zum Lager, also denken die anderen bestimmt nicht daran, daß wir von dieser Seite kommen könnten, und bewachen den Hang (mit dem schon erwähnten Eingang) bestimmt nicht so scharf- und übersehen tatsächlich auch noch zusätzlich, daß das Unterholz hier vorwiegend aus Gras und Steinen besteht, auf denen man doch recht gut schleichen kann. Aber warum dieses Anschleichen? Das Spiel forderte von beiden Seiten, möglichst viele Lebensbändchen zu erbeuten, die gegen wichtige Utensilien eingetauscht werden konnten. Zwei Tage nach Neumond ist es im Wald aber noch dunkler als sonst, und um nicht zu viele Augen, Arme und Vermißte zu riskieren, einigten wir uns darauf, an jedes Lager ringsum 13 Stoffbänder aufzuhängen, die später in Lebensbändchen umzutauschen wären. Jeder, der bei einem Erbeutungsversuch auch nur von einem Gegner berührt würde, sollte vor dem nächsten Angriff noch einmal zu seinem eigenen Lager zurückkehren. Also wäre ein blinder Frontalsturm ein reiner erfolgloser Nachtspaziergang. Noch einmal die gegenseitige Versicherung: Wir haben viel, viel Zeit, nur nichts überstürzen. 25m vor dem Lager legen wir uns hin. Plötzlich bricht das Gitarrenspiel ab, und Julians Stimme dringt zu uns: Achtung, wir haben jetzt 11, ab jetzt dürften uns die anderen überfallen, also seit ab jetzt ganz leise! Sehr schlau, die anderen sind schon da, aber das ahnt ihr natürlich nicht. Kurze Zeit später kommen auch schon ein paar Wachen heraus, stehen noch kurz oben rum und gehen dann wirklich alle auf die andere Seite! Und jetzt beginnt die eigentliche Geduldsprobe: Eine Viertelstunde später sind es noch 5m bis zum Absatz und weitere 2m bis man bei den anderen in der Tür steht. Wir kleben uns in den Hang und warten erst einmal ab. Sogar mit einer Kerze, die sie einmal aus der Tür tragen, sehen sie uns nicht. Dann plötzlich Lärm, ein Schatten sprintet oben um die Kurve, greift nach einem Band direkt vor dem Eingang (das einzige, das auch wir sehen können), bekommt es nicht gleich los, und schon sind die Verteidiger mit Kerze da. Fünf Meter vor uns! Eine Debatte entbrennt, daß die Bänder eigentlich nicht festgebunden werden dürften, sondern nur lose, angehängt wie wir und die Regeln es bestätigten. Nachdem der Haufen sich endlich aufgelöst hat, warten wir noch eine Weile auf das Abknoten, aber nichts geschieht. Jetzt allerdings aufstehen und meckern wäre wohl auch nicht so schlau, also versuchen wir's. Da tritt schon wieder jemand aus der Tür, er stellt sich an den Hang und - der wird doch nicht... nein! Alles, nur das nicht! Die Pflanzen 3m neben uns werden sich wohl gefreut haben. Den Lachkrampf und die Anspannung zu besiegen, war allerdings hart. Bevor der nächste trifft oder noch Schlimmeres passiert, müssen wir jetzt aber los. Ein kurzes Gezischel mit Namo und ich unternehme als erster einen Vorstoß. So leise, langsam und knapp über dem Boden, wie es irgend geht, schiebe ich mich zu einem Baum neben dem Eingang und richte mich an ihn geschmiegt auf. Wenn jetzt jemand kommt! Was heißt kommt: Da drüben steht doch jemand, keine 10m von mir entfernt! Aber was ertasten meine zittrigen Hände da: Ein Band an der Abspannung zum Baum! Einfacher Weberknoten, schon geschafft. Und nun? Daß ich es leise zurückschaffe, ist unwahrscheinlich, einfach die paar Schritte zurückrennen ist nicht nur gesundheitlich gefährlich, sondern würde auch Namo verraten. Also schräg an der Wache vorbei, ruhig aufrecht. He, da kommt einer!! Was mache ich? Aber egal, ab in den Wald, die ersten Meter extrem steil runter, Hand ausgestreckt, da ist ein Baum! Schwung abgedämpft und dann den restlichen Hang nur noch treiben lassen. Es ist immer wieder interessant: Man rennt wirklich schnell durch einen Wald und sieht nichts, aber wenn man nicht versucht, einen genauen Weg zu zwingen, sondern es einfach laufen läßt, ohne zu denken, passiert einem eigentlich nie was. Jetzt sollte ich aber wieder zu denken anfangen: War da unten nicht ein Bach? Noch ein Anspannung abschüttelndes Auf Wiedersehen nach oben gerufen und dann abgebremst. Verfolger sind keine da, aber wie komme ich jetzt zurück in mein eigenes Lager? Da ist der Bach. Ich folge ihm eine Zeitlang, will dann aber auf die andere Seite. Hier müßte es doch gehen, oder? Ich gehe näher- und schon steh ich mitten drin. Schnell zurückgesprungen und dann mit Anlauf einfach drüber, naß sind meine Füße jetzt sowieso. Aber bis auf die ausgedehnte Brennesselwiese kommt nichts Unangenehmes mehr. Namo war der zweite und letzte (danach wurde das Spiel doch wegen zu großer Verletzungsgefahr für den Rest der Nacht ausgesetzt), der in dieser Nacht noch etwas erbeutete; wenn auch mit der unangenehmen Erfahrung eines warmen Spritzers ;-) Der größte Erfolg kam aber erst später: Nicht einmal Namo hatte bemerkt, wie ich hochgeschlichen bin, er wunderte sich nur, warum ich mir soviel Zeit ließ... So jetzt aber genug von der Selbstbelobhudelei. Auch wenn wir im Endeffekt verloren haben, war es ein tolles (und gut geplantes) Geländespiel auf einem schönen Lager, von dem wieder mal etwas gelernt werden konnte: Auch wenn die Wunde am Schienbein, von der ich immer noch nicht weiß, wann genau ich sie mir bei dieser Aktion geholt habe, immer noch nicht verheilt ist, und auch sonst nicht alles so gesund wieder gekommen ist... Pfadfinder lohnen sich einfach immer wieder! Golo |