

| Feuerspruch2-06 |
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In einer Zeit, in der Bildung, Wirtschaft und Politik und damit auch unser Alltag dominiert werden von der bildhaften Prämisse: „Höher, schneller, weiter...“, wirkt es träge und faul, wenn einer auffordert, wenig zu tun. Wäre das, mit dem passenden Begriff aus der Wirtschaft ausgedrückt, nicht „unproduktiv“? Tagtäglich erfahren wir in Schule, Ausbildung, Beruf und Medien, dass wir uns ständig produzieren, beweisen müssen, um im Wettbewerb mit anderen standhalten zu können (Nur deshalb gibt es Noten!). Die Besinnung auf wenig ist out. Bescheidenheit scheint fehl am Platze. Dabei geht der Blick verloren für die Qualität und den Wert einer einzelnen Tat.
Der Begriff „wenig“ lässt sich nicht messen. Es bedarf eines Bezuges, um ungefähr feststellen zu können, was mit „wenig“ gemeint ist. - Du krämpelst deine Kluftärmel hoch, triffst dich mit deiner Sippe oder dem Führerkreis und arbeitest mit Eifer, was auch immer zu tun ist – dann weißt du es. Der Bezug heißt „Tüchtigkeit“: Wer in einer Sache und Situation wirklich engagiert ist, wird nicht die Möglichkeit haben, daneben viele andere Dinge zu erledigen. Im Umkehrschluss muss ich für mein Tun bewusst wählen, um vollen Einsatz in der gewählten Sache einbringen zu können. Für das Erlangen von Zufriedenheit, muss ich die Möglichkeit haben in meinem Tun aufzugehen, anstatt es oberflächlich abzuhaken. Am eindruckvollsten erlebe ich das auf Fahrt: Diese fordert uns mit zahlreichen abenteuerlichen Schwierigkeiten und bietet unendliche Möglichkeiten zum Einsatz. „Allzeit bereit“ bewältigen wir diese Schwierigkeiten mit Genugtuung. Wer kann dabei, abgesehen von dem ein oder anderen sehnsuchtvollen Gedanken an die Familie, schon an Schule, Hobbys oder anderes denken?? Ich nicht. Zu meinem 25. Geburtstag in Norwegen musste ich, erfüllt von den Eindrücken und den Ansprüchen unserer Fahrt, rechnen, wie alt ich eigentlich wurde... Darüber hinaus gilt es, zu der Wahl zu stehen, anzuerkennen, was man tut: „Wähle, was du tust, dann tust Du immer das, was du gewählt hast“ (Feuerspruch zur 23. Sommersonnwende 1996). Somit erhält die Wahl ein positives Vorzeichen: Wenn ich wenig tue (was auch immer das sein mag) und dabei vollen Einsatz zeige (Wie auch immer das gemacht wird) verliere ich nicht, ich verzichte auch nicht – nein, ich gewinne!
Weniges mit hohem Wert ist Wesentliches. Mit der Besinnung auf Wesentliches erfährt eine Tätigkeit erst die angemessene Wertschätzung. Ich muss Zeit haben, mein Tun betrachten zu können. Was habe ich da eigentlich gemacht? Welche Wirkung hat das Ganze? Aufmerksame Beobachtung und Geduld sind dazu erforderlich. Wie schade wäre es, von einer Aufgabe zur nächsten zu springen, ohne sich Zeit zu gönnen, das Getane zu begutachten. Wie bitter ist die Vorstellung von einem Künstler, der ohne Pause schafft, ohne seine Kunstwerke selbst zu betrachten, ohne Interesse daran, wie sein Werk auf andere wirkt. Goethe spricht vom „wirken lassen“. Das heißt, eine Tätigkeit kann mit der Zeit Wirkungen entfalten, die beabsichtigt waren oder nicht. Möchten wir diese erkennen, so müssen wir uns in die Sache einfühlen.
Vieles wollen wir tun. Es gilt bewusst zu wählen. So kannst du deine Sache richtig gut machen. Und du wirst Gelegenheit haben, die Wirkungen zu erkennen. Daher sollst du wenig tun, aber Tüchtiges und es wirken lassen nach Zeit und Umständen.
Wenn im Verlaufe des Artikels der Eindruck entstand, ich sei mit meinem Stamm unzufrieden, dann möchte ich das entschieden bestreiten. Nicht als Kondoren, sondern als Menschen der reichen Industrienationen, als zur Freiheit und Individualität „verurteilte“, stehen wir vor der beschriebenen Herausforderung. Es gilt, den Mittelweg zu finden zwischen zerstreutem Aktivismus und lethargischer Lebensführung. Es liegt im Wesen eines Pfadfinders, die Welt ein Stück besser zu verlassen, als er sie betreten hat. Daher möchte ich allen Pfadfindern meines Stammes (wie auch mir selbst) zur Bewerkstelligung dieser Herausforderung Mut machen. Ei (Im Dezember 2006) |