

| 263 Kelvin: Führerlager Februar 1993 |
|
Durch Eis und Schnee und durch die Vogesen.
Am Freitag wollten wir uns um 15 Uhr am Hauptbahnhof treffen und unsere Reise antreten. Mehr oder weniger pünktlich trafen wir auch alle ein: Birgit, Julie, Julitsch, Tini und Nadine. Dem gegenüber standen Julian, Marc, Christian, Tille, Theron und Henning. Flotze sollte am nächsten Tag zu uns stoßen, was er auch tat. Doch das konnten wir am Freitag noch nicht sicher wissen, als wir am Bahnsteig standen und auf den Zug warteten. Wir fuhren über Offenburg und Strasbourg nach Selestat, von dort mit dem Bus weiter nach Chatenois. Die Temperatur war dort höher als erwartet. Schon bald fanden wir den richtigen Fußweg aus der Stadt hinaus, dem wir bis zum Einbruch der Dunkelheit und noch viel länger folgten. Denn so, wie schon Jahre zuvor die Sippe Präriewolf, hatten auch wir Probleme, die Schutzhütte zu finden. Tini und Silvie zweifelten alle 20 Minuten die Richtigkeit unseres Weges an, auf dem uns Theron, Tille und Marc führten. Doch tatsächlich, keiner hätte es ernsthaft für möglich gehalten, fanden wir die Schutzhütte. Sogleich entfachten wir ein Freudenfeuer im Ofen. Die Hütte war zu einer Seite hin offen, diese Öffnung dichteten wir so gut als möglich mit Kohtenplanen ab und machten uns dann ans Abendessen. Anschließend wollten wir auch schon bald in den Schlafsack, weil die Wanderung doch recht anstrengend gewesen war. Es stellte sich jedoch das Problem, wie wir alle in der Hütte unterkommen sollten. Es nützte nichts, daß Tisch und Bänke als Schlafplatz verwertet wurden - es war zu eng. Theron und ich zogen so die Konsequenz und nach draußen, dort so ziemlich alles an, was wir an Reservekleidung dabeihatten, und als uns dann auch noch Gifte zudeckte, wurde es uns ganz schön warm und wir konnten einschlafen. Am nächsten Morgen sagte man uns natürlich, mit etwas gutem Willen hätten wir auch in der Hütte schlafen können, doch es war zu spät. Der nächste Programmpunkt war der Aufstieg zur Burg, zu deren Füßen wir bildlich gesprochen geschlafen hatten. Um zwölf Uhr waren wir dort mit Flotze verabredet, deshalb sputeten wir uns. Unangenehm bemerkbar machten sich dabei nicht nur die Steigung und der Umstand, daß die Burgbewohner offenbar den Hang als Freitoilette benutzten, sondern auch diverse Blasen an verschiedenen Füßen. {mosimage} {mospagebreak} Als wir auf der Burg angekommen waren, stand auch schon Flotze vor uns. Tatsächlich hatte er seine Lederhose angezogen und trat ob dieses Umstands sogleich in Defensivhaltung, indem er uns erläuterte, was für Vorteile eine Lederhose gegenüber einer normalen Jeans habe. Von seinen Schilderungen wurden wir durstig, und wir machten uns auf zur Burgbesichtigung. Wir waren so ziemlich die einzigen Besucher und konnten uns das ganze Gebäude ungestört ansehen, denn wir konnten unser Gepäck am Eingang deponieren. Die Räume waren sehr klein und kalt, außerdem gab es mindestens vier Zimmer für Burgfräuleins. Die Kanonen im Turm wurden von uns besonders genau untersucht. Im Hof gab es gleich darauf eine Schneeballschlacht: Alle gegen Theron. Wir hatten keine Chance. Deshalb suchten wir anschließend auch das Burgcafe auf. Dort roch es ausgezeichnet nach irgend etwas würzig-alkoholischem, was Theron dazu verleitete, sich etwas von dieser duftenden Flüssigkeit zu bestellen. Er bekam einen mikroskopisch kleinen Krug mit so etwas ähnlichem wie Glühwein darin. Einige deckten sich noch mit Kuchen ein, um die Zeit bis zum Mittagessen zu überbrücken, und einige testeten die Toilette. Dort gab es schleimige braune Seife, die wahrscheinlich noch aus den Ritterzeiten stammte. Nachdem wir so einige Zeit verbracht harten, machten wir uns wieder auf die Socken, denn schließlich mußten wir ja noch einkaufen. Diskussionsthema auf der Wanderung nach Thannenkirch war die geplante Nudelmenge, die für zwölf Personen reichen sollte. Als wir in Thannenkirch ankamen, hatten wir sie schon auf das zweieinhalbfache erhöht. In Thannenkirch rasteten wir auf der ersten Bank am Ortseingang und kochten dort Suppe, nachdem wir zwei Stoßtrupps zur Wasserbeschaffung und zum Einkaufen losgeschickt hatten. In der Zwiebelsuppe schwammen, uns unerklärlich, Holzstücke drin. Außerdem hatten wir zuviel Wasser genommen; glücklicherweise merkten unsere Vegetarier nicht, daß wir die Suppe mit Fleischbrühe verlängerten. Nach dem Essen zogen wir durch die Stadt zum Laden, wo wir einkauften. Zum Schrecken der Rover (besonders Christian, Theron und mir) stand das wichtigste Lebensmittel eines Pfadfinderlagers nicht auf dem Plan: Zucker. Kurzentschlossen legten wir zusammen und kauften ein ganzes Kilo, wobei wir uns vornahmen, es am Abend unbedingt zu dritt wegzukriegen. Das Klima wurde noch kälter als zuvor, was keiner für möglich gehalten hatte. Nach langem Laufen im Schneetreiben fanden wir eine Burgruine, vor der ein Schild in französischer Sprache mit vielen "absolument"s und "interdite"s vor dem Betreten warnte. Allerdings hatte jemand in Deutsch "Zimmer frei" drübergesprüht, und das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Von der Burg stand im wesentlichen noch ein Turm, in dem wir uns später niederließen, nachdem uns Tini über die ihr sehr suspekte Treppe ins Innere gefolgt war. Als wir Theron davon überzeugt hatten, besser kein Feuer auf dem Treppenabsatz zu machen, konnten wir an das Kochen herangehen. Es sollte Käsespätzle geben. Die Nudelmenge erwies sich als ausreichend: Theron wurde satt. Nach dem Essen krochen wir recht bald in die Schlafsäcke, weil es auch in der Burg empfindlich kalt war. Dabei legten wir uns übrigens tangential an die Treppe. Wir schafften es sogar noch, eine Liederrunde abzuhalten, aber irgendwann gingen wir dann doch schlafen. {mosimage} Am nächsten Morgen mußten wir zunächst den gefrorenen Käse aus unseren Eßgeschirren entfernen, das war gar nicht so leicht. Später tauten wir das Wasser in den Trinkflaschen auf und kochten Tee, den es zu den Frühstücksbroten gab. Anschließend sattelten wir wieder auf und stiegen vom Berg ins Tal hinunter. Unten im Dorf gab es ein Klo, sogar mit Cafe. Also bestellten wir uns jeweils was zu trinken. Nachdem wir alle versorgt bzw. entsorgt waren, liefen wir zum nächsten Bahnhof. Obwohl dieser nur etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt war, fanden wir einen schönen Weg, auf dem wir eine Stunde liefen. Trotzdem kamen wir rechtzeitig an, um einen passenden "Anzugschluß" (T.M.) zu erwischen. Mit diesem ging es nach Strasbourg. Wir hatten einen kleinen Aufenthalt und konnten sogar etwas zu essen kaufen, wenn wir nicht gerade damit beschäftigt waren, übelriechenden Pennerinnen Bierflaschen zu öffnen. Julian und ich hatten uns ein Baguette und eine ganze Flasche Cola gekauft, mit der wir Neid zu verursachen versuchten (Marc: "Ich mag gar keine Cola!") Die restliche Zugfahrt war belanglos, bald waren wir auch schon am HBF Karlsruhe. Dort verteilten wir uns auf verschiedene Fahrzeuge und fuhren nach hause. |